„Alles anders?“
Den letzten Teil des Logic Studio Tests wollen wir den grundlegenden Änderungen in der Bedienung und dem Handling des Programms widmen, gleichzeitig ist durch die Länge des Tests auch einiges an Ungereimtheiten und Bugs aufgefallen, das in den ersten beiden Tests noch nicht berücksichtigt werden konnte. Wie immer bei solch großen Updates kann man sagen, dass Licht und Schatten doch recht nah beieinander liegen.
Bewertung der Soundbibliothek und Instrumente
Die mitgelieferten Instrumente und deren Bibliotheken und Presets waren schon immer ein starkes Kaufargument für Logic. Sicherlich sind die Mehrzahl der Logic-User entweder Keyboarder oder Pianisten oder sie arbeiten zumindest mit der Programmierung via Tasteninstrument. Ich wage mal die Behauptung, dass nur ein kleiner Teil der User das Programm als reine Audioanwendung fährt, hier gäbe es auch Programme, die wesentlich einfacher zu bedienen sind. Die mitgelieferten Klänge der Synthesizer, die Bibliotheken für den Sampler, all das ist mittlerweile auf sehr hohem und professionellem Niveau. Der einzige Schwachpunkt ist in meinen Augen das virtuelle Fender Rhodes Piano, EVP-88 genannt, das es in deutlich authentischerer Qualität von anderen Firmen gibt. Aber das ist zu einem guten Teil auch Geschmackssache, da die Mehrzahl der Instrumente wirklich mit vorzüglichen Klängen aufwarten kann. Man wird für die tägliche Arbeit kaum ein anderes Software-Instrument benötigen. Das hat natürlich dann den Vorteil, dass man ohne jedes Problem mit anderen Logic-Usern kompatibel ist und die kleinen Logic Song Dateien auch via Internet austauschen kann. Ein Plus ist hier die Möglichkeit, dass man im neuen Dateibrowser im rechten Teil des Arrange-Fensters vom aufgerufenen Instrument sofort die verfügbaren Sounds vor sich sieht und mittels Klick einen Channelstrip mit dazugehörigen Effekten aufrufen kann. Bei den Synthie-Sounds beispielsweise sind die Programmierungen sehr geschmackvoll und sofort einsetzbar. Bei anderen Channelstrip-Vorschlägen im Audio-Bereich ist das nicht unbedingt so, hier ist der Einsatz von Effekten zum Teil deutlich overdone.
Bedienung
Die komplette Neustrukturierung des Arrangier-Fensters und das Handling der Spuren und Sequenzen ist die wesentliche Änderung des Programms. Apple wollte natürlich hier auch den einheitlichen Look aller Programme verwirklichen, aber im Wesentlichen sind die Neuerungen auch sinnvoll und überfällig gewesen. Der Überblick über die einzelnen Spuren und Sequenzen ist durch die unmittelbare Zuordnung zum Kanalzug und dessen Ausgangskanal verbessert worden und erleichtert auch das Editieren des Audio-Bereiches. Man kann nun endlich im Mixer-Fenster direkt beschriften oder auch Plug-Ins verschieben und kopieren. Die Edit-Fenster Mixer, Sample-Editor, Pianorolle, Notation und Hyper-Editor sind nun direkt erreichbar, und auch im oberen Bereich des Arrange-Fensters sind nun viele Parameter direkt anwählbar, ohne ein Menu aufrufen zu müssen. Die Übersichtlichkeit hat sich hier deutlich verbessert. Bei Audioaufnahmen zeigen sich auch neue Features: Hier kann man nun, ohne ständig neue Spuren aufrufen zu müssen, direkt in die Spur aufnehmen, und das Programm legt auf der Sequenz einen Ordner an, in dem die Audiofiles zu finden sind. So lässt sich schnell der beste Take finden und auch mittels „Comping“ eine Compilation der besten Takes zu einem Final-Take erzeugen. Aber die Sache hat natürlich auch den Nachteil, dass viele über Jahre eingeübte Handgriffe und Arbeitsweisen jetzt nicht mehr funktionieren. So sucht man denn auch schon mal ein halbes Stündchen, um beispielsweise im Notationsbereich die Schriftgröße des Titels einzustellen. Es ist halt jetzt so, dass ein Neueinsteiger wahrscheinlich schneller mit dem Programm zurechtkommt als der Profi, der seine Arbeitsweise nun umstellen muss.
Bugs und Inkompatibilitäten
Es zeigte sich auf verschiedenen Rechnern auch ein unterschiedliches Verhalten von Logic Studio. Am unkompliziertesten lief es auf einem neuen 17“ MacBook Pro, das allerdings bis auf Logic fast keine Programme installiert hatte. Auf einem G5 gab es erhebliche Probleme mit einer TV-Karte, die schon jahrelang ihren Dienst mit der alten Logic-Version getan hatte, aber mit der neuen Logic-Version nicht zusammenarbeiten wollte. Beide Programme schliefen schon beim Start friedlich ein. Auf einem neuen Intel Mac Pro mit Leopard als Betriebssystem stellte sich heraus, dass die Treiber für den Firewire-Betrieb mit einem Tascam DM-4800 nicht korrekt arbeiteten. Laut Tascam hat Apple hier wohl Änderungen am Firewire-Port vorgenommen, die eigentlich nur DV-Kameras und Final Cut betreffen, den Betrieb mit dem Pult jedoch unmöglich machen. Weiterhin zeigten sich auf dem Mac Pro Abstürze beim Wechsel von Seiten, also hier wohl Grafik-Bugs. Leider wurde nur sehr selten eine Sicherung des Projekts als „Crashed“-Version gemacht, so dass die Abstürze meist mit einem Datenverlust einhergingen. Auf dem G5 war nach dem Auslaufen einer Demo-Version von „Antares Harmony“ Logic nicht mehr zu starten, da das Programm vor der Validation der Audio Units einfror. Erst das Entfernen der Components und das Löschen der Preferences und Start mit einem anderen Song schaffte hier Abhilfe. Auch passierte es häufig, dass das Programm sich beim Schließen aufhing und den Rechner mit in den Abgrund zog. Nicht so schlimm waren da gelegentliche Pausen, die der Mac unvermittelt einlegte. Bis zu einer Minute verharrte er mit buntem, sich drehenden Bällchen. Leider sind auch nicht alle Plug-Ins und Instrumente auf den neuen Rechnern lauffähig, so dass man bei einem Update noch die alte 7er Version behalten und erst einmal ausprobieren sollte, was auf der neuen Version läuft und was nicht. Vor allen Dingen muss man beachten, dass nach dem Sichern mit der 8er Version ein Öffnen mit einer früheren Version nicht mehr möglich ist. So kann man momentan von einem stabilen Betrieb nur bedingt ausgehen, so dass wir auch im Studio weiterhin mit der alten Version arbeiten - getreu dem Spruch „Never change a running system“. Ich bin mir sicher, dass erst nach den ersten Updates ein ordentliches Arbeiten mit dem Programm möglich ist. Man muss auch in Betracht ziehen, dass das Leopard-Betriebssystem noch nicht frei von Fehlern ist und die Treiber für Schnittstellen etc. zum Teil noch nicht verfügbar sind.
Fazit
Es ist schwer, zu diesem Zeitpunkt ein Fazit zu ziehen - einerseits sind viele Neuerungen wirklich klasse, die Erweiterung der Soundbibliotheken und die radikale Preissenkung machen schon Eindruck, aber viele andere Dinge scheinen noch nicht rund zu laufen. Vieles erinnert mich an die Einführung von Logic 7 nach der Emagic-Übernahme durch Apple, als die Apple-Jungs möglichst schnell das Programm an den Apple-Look anpassen wollten und ein Programm auslieferten, das anfangs so suboptimal lief, dass man schier verzweifeln konnte. Ähnliches steht uns hier hoffentlich nicht bevor. Folgender Gedanke eines Kollegen geht mir allerdings nicht mehr aus dem Kopf: Wenn man als Profi sowieso schon viel umlernen mit dieser Logic-Version muss, warum dann nicht einmal einen kompletten Programmwechsel ins Auge fassen? Ein Konkurrent wie Digital Performer zum Beispiel soll sehr stabil laufen und in Beziehung auf den Betrieb mehrerer Audioschnittstellen gleichzeitig interessante Features bieten. Man wird sehen, wie sich die User entscheiden. Apple jedenfalls ist jetzt mit funktionierenden Updates am Zug.
UVP:
Vollversion: 479 EUR
Upgrade von Logic Pro: 199 EUR
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