„Gitarrentrainer“
Hat noch jemand da draußen seinen Schallplattenspieler und die dazugehörige LP-Sammlung beim Gitarrenüben ruiniert? Ich kenne mich da bestens aus. Beim ständigen Wiederholen der immer selben Passage ruinieren die mechanischen Belastungen der Nadel auch beim feinfühligsten Umgang den „Vinyldatenträger“. Klar ist das spätestens seit dem Aufkommen der CD-Player besser geworden, der Übungskomfort war dennoch sehr umständlich. In dieser Ausgabe stelle ich euch zwei Tools des Musikaliengiganten Tascam vor.
Beide Geräte bieten neben interessanten Wiedergabefeatures eine Vielzahl von Effekten und Gitarrenverstärkersimulationen, von denen man noch vor einigen Jahren nicht zu träumen gewagt hätte.
Konzept
Bei den beiden Testgeräten handelt es sich um reinrassige Gitarrentrainer. Einfach ausgedrückt, kann man einen beliebigen Song wiedergeben und dazu mit einem anständigen Gitarrensound, der im Gerät perfekt dazugemischt wird, mitspielen und üben. Hilfreich sind die beiden Geräte sowohl beim schlichten Herausschreiben von Songs, als auch beim Einüben schwieriger Solopassagen. Beide Geräte bieten gute interne Gitarreneffekte und sogar komplette Gitarren-Setups, bestehend aus Amp, diversen Bodenretern , Reverb- und Delay-Effekten.
Der MP-GT1
Der Tascam MP-GT1 basiert auf dem erfolgreichen CD-GT1 MKII. Er bietet genügend Speicherplatz für bis zu 240 Songs. Mit einem Datenrad, wenigen Tasten und einem grafischen, hintergrundbeleuchteten Display navigiert man auf dem Gerät durch die MP3-Sammlung. Titel und Abschnitte können geloopt, also endlos wiedergegeben, oder langsamer abgespielt werden, ohne die Tonhöhe zu beeinflussen. So kann man schnelle Licks besser analysieren. Wer zu Stücken seiner Vorbilder spielt, kann auch die Gitarrenunterdrückung mit einstellbarem Ansprechpunkt nutzen - diese dämpft den Gitarrenpart eines Stücks mit Hilfe von Phasenauslöschungen zugunsten des eigenen Gitarrenspiels. Songs können auch beliebig nach oben oder unten verstimmt werden, um sie an das eigene Instrument anzupassen.
Bedienelemente des MP-GT1
Der MP-GT1 ist ein bisschen breiter und etwa ein Drittel tiefer als ein iPhone (entspricht also quasi der Größe eines Stimmgerätes). Schade, dass das Teil nicht mit einem Touchscreen ausgestattet ist, aber das kommt sicher in der nächsten Generation. Ein mittig angebrachtes Display gibt Auskunft über den Stand der Dinge. Direkt unter dem Display liegen die Tasten des MP3-Players. Auffällig ist der silbrige Ring, ein Endlospotentiometer zur Dateneingabe. In seiner Mitte befindet sich der Enter-Button. Rechts und links neben dem Button sind vier weitere Schalter angebracht. „Menu“ ist für die allgemeine Navigation zuständig. Mit dem „I/O“-Button werden die Loop Start- und Endpunkte festgelegt und mittels „Loop“-Button aktiviert. Der „FX“-Button ist der für die Gitarrensounds zuständige Bereich. Das muss man sich wie einen abgespeckten POD vorstellen, mit allen möglichen Effekten. Auf der linken Seite befinden sich die Lautstärkeregler und Mix-Potis des Gerätes. So lässt sich der Gitarrenanteil perfekt ins Playback einbetten.
Der CD-GT2
Wie schon bei seinem Vorgänger, dem CD-GT1, lassen sich auch hier CDs langsamer wiedergeben, wobei die Tonhöhe gleich bleibt. So lassen sich auch hier schnelle oder rhythmisch anspruchsvolle Passagen und Soli herauszuhören, einüben oder im Unterricht demonstrieren und integrieren. Zu den Merkmalen des Gitarrentrainers CD-GT2 zählen ein völlig neues und verbessertes Design, ein übersichtliches Grafikdisplay, die Anzeige von Album- und CD-Titeln mittels CD-Text, mehr Speicherplätze für Benutzereinstellungen, eine Stimmfunktion, ein Oszillator mit einem Tonumfang von drei Oktaven und die VSA-Technik, mit der sich die Wiedergabegeschwindigkeit ohne Beeinflussung der Tonhöhe ändern lässt.
Bedienelemente des CD-GT2
Wesentlich größer als der MP-GT1 ist dieses Gerät, wodurch die Designer auch mehr Platz für die Bedienelemente hatten. Dadurch ist der Umgang selbsterklärender und fast so einfach wie bei einem Kassettenrekorder. Am auffälligsten sind die Transporttasten für den internen CD-Player - in Form breiter Tasten. Das Display entspricht dem des MP-GT1. Unterhalb des Displays sitzen hier jede Menge Taster für die unterschiedlichen Einstellungen, die beim MP3-Modell erst durch das Navigieren einiger Untermenus erreicht werden. Weiter rechts liegen die vier, kreisförmig angeordneten Cursor-Tasten für die allgemeine Navigation durch den Parameterdschungel und die beiden Value-Taster, mit deren Hilfe die entsprechenden Werte verändert werden können. Die Oberseite ist auch gleichzeitig der Deckel des CD-Laufwerks. Zum Öffnen des Deckels ist auf der vorderen Seite ein Schieber installiert. Hier finden sich auch alle Anschlüsse, wie der Kopfhörerausgang und der Line Out sowie der Gitarreneingang und eine Buchse für den Anschluss eines Fußschalters. Die Fußschalterfunktion hat mich auch erst gewundert. Man kann den schnellen Vor- und Rücklauf steuern, zwischen den Effektbänken umschalten oder die Effekte ein- und ausschalten.
Die Effekte beider Geräte
Beide Geräte bieten jede Menge Overdrive-Sounds und Multieffekte. Im Sortiment befindet sich alles, was man sich vorstellen kann. Von Auto-Wah, über Harmonizer und Vibe, bis hin zu Chorus, Phaser und Flanger ist alles in Hülle und Fülle an Bord. Ein kalibrierbares, chromatisches Stimmgerät mit Stimmton, ein Metronom und eine Stromsparfunktion sind ebenfalls enthalten. Beim MP-GT1 ist außerdem noch eine schnelle USB-Schnittstelle vorhanden, mit der man MP3-Dateien vom Computer in das Gerät bringt und zugleich den eingebauten Lithium-Ionen-Akku auflädt. Voll aufgeladen bietet der Akku eine Spieldauer von bis zu acht Stunden. Ein optionaler Wechselstromadapter als Ladegerät oder für den Dauerbetrieb ist bei beiden Geräten ebenfalls erhältlich. Beim CD-GT2 ist weder eine Computerschnittstelle, noch ein interner Akku vorhanden. Für den netzunabhängigen Betrieb werden vier Batterien oder Akkus des Typs AAA benötigt.
Die Unterschiede
Während der CD-GT2 mit einem CD-Laufwerk ausgestattet ist, arbeitet der MP-GT1 mit dem MP3-Format und einem internen, 1GB großen Speicher. Die Vorteile des wesentlich kleineren MP-GT1 liegen auf der Hand, denn das Gerät hat weder mechanische Laufwerks-Verschleißteile, noch Erschütterungsprobleme auf Busreisen etc. und passt in jede Tasche. In den 1 GB großen Speicher passen je nach Auflösung bis zu 240 Songs, also etwa 20 CDs. Die Vorteile des CD-GT2 sind vor allem eine bessere und übersichtlichere Bedienung, da die Schalter weitläufiger angeordnet sind und auf Untermenus weitestgehend verzichtet wurde. Alles gestaltet sich hier optisch logischer.
Praxis
Der CD-GT2 ist im Grunde völlig selbsterklärend und einfacher zu bedienen wie der kleinere MP-GT1. Nach dem Einlegen der CD kann sofort losgelegt werden. Untermenus, die die Hirnrinde nur noch mehr kräuseln lassen, sind durch Taster mit direktem Zugriff auf die jeweiligen Parameter ersetzt. Beiden Geräte besitzen dieselben Funktionen, was die Möglichkeit betrifft, das Playback bei gleich bleibender Geschwindigkeit in unterschiedlicher Tonhöhe wiederzugeben. Nach dem Einstöpseln der Gitarre kommt sofort Sound aus dem Kopfhörer und man kann sofort Gas geben. Ich habe zuerst einmal die Presets durchgespielt, wodurch die riesige Bandbreite beider Geräte zum Vorschein kommt. Ich würde die Sounds nicht als besonders Aufsehen erregend bezeichnen, aber für den Zweck, den sie in diesem Kontext erfüllen, halte ich sie für mehr als ausreichend. Grundsätzlich ist es einfach klasse, mit den Teilen zu lernen, ohne vor einem CD-Player kauern zu müssen.
Ich habe mir einen ziemlich ausgefuchsten Fusion-Song vorgenommen, deren einzelne Parts ich mir mit Hilfe des MP-GT1 draufschaffen wollte. Also habe ich das Gerät mit meinem Apple MacBook Pro verbunden, wobei das Gerät sofort als Laufwerk erkannt wurde. Dann habe ich den Song, den ich vorab ins MP3-Format gewandelt hatte, per Drag and Drop einfach in den Ordner „Music“ kopiert und fertig! Es ist übrigens kein Problem, neue Ordner mit Hilfe des Rechners im MP-GT1 zu erstellen. Alles völlig easy. Aber weiter im Text. Nach dem Trennen vom Rechner findet sich der soeben eingefügte Song ohne Probleme und kann abgespielt werden. Wenn man die Parts einigermaßen drauf hat, kann man mit der „Guitar Cancel“-Funktion später die originale Gitarre herausfiltern, um alleine mit der Band zu spielen. Je nach Platzierung und Effektfülle der originalen Gitarre wird deren Signal allerdings nicht immer vollständig herausgefiltert. Man merkt schnell, dass dieser Effekt durch Phasenverschiebungen realisiert wird, was den Lernerfolg jedoch nicht schmälert (man kennt diese Vorgehensweise ja beispielsweise auch von Stereo-Anlagen mit Karaoke-Funktion, wo dann eben der Gesang mehr oder weniger eliminiert wird). Die Loop-Funktion ist ebenfalls klasse und äußerst hilfreich beim Lernen und Wiederholen neuer Licks.
Fazit
Ich bin begeistert von diesen beiden Helferlein. Zum Üben gibt es eigentlich nichts Besseres und vor allem Komfortableres, als eine dieser beiden Gerätschaften. Besonders der kleinere MP-GT1 hat es mir angetan, denn er ist sehr handlich, klein und besitzt genug Speicherplatz für jede Menge Übungsmaterial für unterwegs. Der CD-GT2 hingegen ist größer und angenehmer zu bedienen. Hier gibt es keine verschachtelten Untermenus, wie bei seinem „kleinen Bruder“, und das Gerät eignet sich meiner Meinung nach besser für den Unterricht. Ebenso ist hier die Möglichkeit gegeben, CDs von Schülern direkt in die Unterrichtsstunde einzubeziehen, ohne vorher ins MP3-Format wandeln zu müssen. Ihr solltet diese beiden Tools auf jeden Fall einmal ausprobieren.
www.tascam.de
UVPs:
MP-GT1: 215 EUR
CD-GT2: 189 EUR
MP-GT1
- MP3-Player mit integriertem Gitarrenvorverstärker und Trainer-Funktionen
- Tonhöhe, Geschwindigkeit oder beides variierbar
- Natlose Loops
- Eingebaute Gitarren Multieffekte
- Gitarrenunterdrückung
- Metronom
- Stimmgerät
- 1 GB Speicher für bis zu 240 Songs
- Hintergrundbeleuchtetes, alphanumerisches LC-Display
- USB-Port
- Lithium-Ionen-Akku (ca. 8 Stunden Wiedergabezeit)
- Wechselstromadapter als optionales Zubehör erhältlich
CD-GT2
- Wiedergabe von CD, CD-R und CD-RW
- Anti-Schock-Speicher (10 Sekunden)
- Ändern der Wiedergabegeschwindigkeit/Tonhöhe, ohne die Tonhöhe zu beeinflussen
- Anschlüsse: 6,3 mm Gitarren-/Mikrofoneingang mit Pegelregler, 3,5mm Kopfhörer-Ausgang, 3,5mm Line-Out
- Loop-Wiedergabe
- Gitarrenunterdrückung
- Multieffektprozessor mit Gitarren- und Vokaleffekten und bis zu drei Effektmodulen gleichzeitig
- Stimmgerät
- Betrieb mit Batterien oder Akkus, optional mit Wechselstromadapter PS-P520 |